Menschen durch Gebäude lotsen

Hochschule Ulm forscht an Navigationsassistenten für Menschen mit Sehbehinderung.

Im Außenbereich haben sich Navigationssysteme längst bewährt. Viele Autofahrer lassen sich von ihrem „Navi“ durch den Verkehr lotsen. Grundlagen hierfür sind die Signale des Global Positioning System, kurz GPS, das allerdings nur im Freien funktioniert. Für Innenräume gibt es bislang noch keine ausgereiften Navigationslösungen, was die Entwicklung ortsbezogener Dienste, sogenannter Location Based Services, behindert. Solche Dienste könnten Menschen jedoch auf vielfältige Weise unterstützen: Denkbar ist beispielsweise ein Service, der Sehbehinderte wie ein elektronischer Blindenstock durch Innenräume führt, oder eine App auf dem Smartphone zur Orientierung in öffentlichen Gebäuden.

 

Mit dem länderübergreifenden Forschungsprojekt FIONA (Framework for Indoor and Outdoor Navigation Assistance) möchten zehn Partner aus Wirtschaft und Forschung in fünf Ländern ein Software-Rahmenwerk bauen, das die Entwicklung ortsbezogener Dienste erleichtert. Die Hochschule Ulm ist unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Schlegel Partner des Forschungsprojekts. In Deutschland sind zudem das Fraunhofer-Institut für eingebettete Systeme und Kommunikationstechnik ESK in München und die Infineon Technologies AG in Neubiberg an dem Projekt beteiligt. Die Projektleitung liegt bei der Robert Bosch GmbH in Stuttgart.

Die bisher bestehenden Technologien für die Positionsbestimmung in Innenräumen bieten kaum festgelegte Standards und die Komponenten unterschiedlicher Unternehmen sind untereinander nicht kompatibel. „Was fehlt, ist eine einheitliche Grundlage“, so Schlegel. „Mit dem Projekt FIONA wollen wir eine offene und unabhängige Plattform schaffen, auf der die Anbieter ortsbezogener Dienste aufbauen können.“ Die Projektpartner werden eine Architektur festlegen und implementieren, mit der sich Komponenten unterschiedlicher Hersteller in einem System zusammenführen lassen. So wird eine einfache Entwicklung standortbasierter Dienste im Innen- und Außenbereich möglich werden.

Um die Wirksamkeit des Rahmenwerkes zu demonstrieren, plant das Projektteam zwei Anwendungen mit entsprechenden Prototypen. Ein Navigationsassistent soll sehbehinderte und blinde Menschen mit hoher Präzision durch Gebäude lotsen und sie auf Hindernisse aufmerksam machen. Der zweite Prototyp wird ein virtueller Tourenführer für Smartphones sein. Als App soll er Nutzer durch Gebäude wie Museen, Einkaufszentren, Flughäfen oder Werkshallen leiten und ihnen je nach Gebäudetyp und Position die entsprechenden Informationen liefern, etwa zu Kunstobjekten, Artikeln auf der Einkaufsliste, Flügen oder reparaturbedürftigen Maschinen.

Das Forschungsprojekt ermöglicht so schnellere und kostengünstigere Neuentwicklungen und fördert den Wettbewerb in der Zulieferindustrie. „Als länderübergreifendes Projekt kann FIONA die Position Europas im Markt für standortbasierte Dienste stärken. Das ist sehr wichtig, da dieser in den nächsten Jahren voraussichtlich stark wachsen wird“, so Schlegel.

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